Famulatur in Ghana

09Sept
2019

A baby is born

Als ich heute Morgen in die Klinik kam wurde 5 Minuten vorher ein Kind geboren. Knapp verpasst :) Dem Kind gehts gut, die Mutter ist wohlauf.

New born (ein Mädchen):

Kurz darauf kam eine Schwangere 39. Woche, mit leichten Schmerzen im Rücken. Muttermund bereits 3 cm geöffnet. Sie wurde nochmal heim geschickt sie solle Sex haben, damit das Prostaglandin der Spermien die Wehen einleiten. Das war mir auch neu :D

Bei der Visite war ein Kind, 9 Monate alt mit Malaria, Splenomegalie (vergrößerte Milz) und massiv entzündetem Arm im Bereich des venösen Zugangs. Jetzt fragt man sich wie das passiert ist.. nun.. hier schmiert man in manchen Regionen des Landes leicht entzündete Wunden mit Python - Fett ein. Ja..genau, von einer Schlange. Fett ist leider ein perfekter Bakterienträger... naja.. den Rest kann man sich denken :)

Hier gibt es einige Unterschiede zu deutscher Medizin.
Schwer kranke Patienten werden hier anders gesehn. Die dürfen auch einfach sterben. Man steckt hier nicht mehr so viel Medizin rein. Obwohl es sogar hier manchmal noch Möglichkeiten gibt (Verlegung in ein staatliches, zentrales Krankenhaus o.Ä.). Aber oft wird das nicht gewollt. Zum einen aus Kostengründen aber zum andern weil man den Menschen auch irgendwo ihre Würde lässt und nicht möchte, dass sie lange "rumvegetieren".

Nachdem ich ein bisschen von deutschen Krankenhäusern (Allgemeines) berichtet hab, wurde ich tatsächlich gefragt:
Darf in Deutschland ein Patient sterben??
Sehr gute Frage.. und schwer zu beantworten.

Auch verrückt:
- Inhalationsbesteck werden hier nicht als Einmalmaterial genutzt sondern X mal
- Infusionbesteck wird beim selben Patienten solange genutzt bis er entlassen wird
- es gibt keine Toilettenstühle. Kann ein Patient nicht laufen bekommt er einen Eimer neben das Bett gestellt. Im 8- Betten - Zimmer? Sichtschutz? Für was? :D
- Pflegekräfte reichen keine Nahrung, waschen keine Patienten, bringen Patienten nicht zur Toilette und machen auch sonst nichts in die Richtung..das machen die Angehörigen. Auch das Essen bringen Angehörige mit. Eine Küche für Patienten gibt es nicht. Dafür aber ein paar Straßenstände vor der Klinik.. und das Essen da is der Hammer :)
- Medikamente müssen Patienten oder deren Angehörige selbst bezahlen und in der Klinikapotheke abholenm dazu zählen Nadeln für einen venösen Zugang, Infusionen aller Art, Tabletten, Ampullen...einfach alles. Kann jemabd nicht zahlen bekommt ers nicht. Notfall hin oder her.
Verrückt oder?????
Selbst die Notaufnahme hat keine Infusionen im Schrank :D
- falls ichs noch nicht erwähnt hab: in der Klinik gibt es weder Defibrillator, Röntgen oder CT/ MRT. Dafür ein Ekg mit kaputtem Bildschirm und ein altes Sonogerät :)

 

Ein paar Bilder aus der Klinik.

Der Flur

Ein 8-Betten Raum, gerade leer

 

Ein Pflegestützpunkt im Kids Ward (Kinderstation)

 

Die beiden Rettungswagen vor der Klinik. Der große ist defekt und der kleine wird nur zur Verlegung genutzt. Wer sas Ding fährt?  Der Typ vom Sicherheitsdienst. Sanitäter? Gibts keine :D mit viel Glück mal ne Krankenschwester ^^